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23.6.2020

Blockchain, Krypto & Co - Was ist das eigentlich genau?

Immer wieder hört und liest man die Begriffe, „Blockchain“, „Krypto“ oder „Smart Contract“ in der Presse oder den Medien. Doch was genau bedeuten sie eigentlich? Dieser Artikel soll eine kurze Einführung in die Thematik geben und sie für unsere Mandanten verständlicher machen.

Die Technologien rund um die Blockchain können das Leben in der Neuzeit um ein Vielfaches erleichtern. Um die Vorteile verstehen zu können, sollte aber zunächst geklärt werden, wie die einzelnen Begriffe überhaupt zu verstehen sind.

1. Blockchain

Unter dem Begriff Blockchain versteht man vor allem die Art und Weise wie Informationen gespeichert werden. Informationen, die über einen bestimmten Zeitraum gespeichert werden, werden in Blöcken (block) gespeichert. Diese mit Informationen gefüllte Blöcke werden dann wie die Perlen auf einer Kette (chain) aneinandergereiht und verknüpft. Deshalb ist die Blockchain ein Datenspeicher für aneinandergereihte und verknüpfte Informationen.

Ein Beispiel hierfür wäre zum Beispiel eine Erneuerung des Ladens von Elektroautos. Nutzer von Elektroautos könnten eine Steckdose mitnehmen, die aussieht wie ein typischer Reiseadapter und ihn an jede herkömmliche Dose anstecken. Die Kosten für den Strom werden allerdings nicht dem Besitzer der Steckdose in Rechnung gestellt, sondern dem E-Auto-Fahrer. Der smarte Adapter vermerkt in einer Blockchain, wie viel Energie abgezapft wurde.

Aber warum sollte eine solche Anwendung über die Blockchain laufen? Welche Vorteile kann die Blockchain bieten?

Eine Blockchain ist laut Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), „ein öffentliches, unveränderbares, verteiltes digitales Kontobuch, das nur Hinzufügungen erlaubt.“ (Veröffentlichung BaFin zur Blockchain-Technologie vom 01.08.2018).

„Öffentlich“ bedeutet dabei, dass die Daten für jedermann zugänglich sind. Zu privaten Blockchains haben nur bestimmte Teilnehmer Zugang.

„Unveränderbar“ heißt, dass es nahezu unmöglich ist, die einmal gespeicherten und verschlüsselten Daten einer Blockchain im Nachhinein zu verändern oder zu löschen. Es ist also nur möglich, neue Daten hinzuzufügen, ähnlich wie etwa bei der kaufmännischen Buchführung, wo Löschungen in der Primanota (dem Hauptbuch in der Buchhaltung) nicht vorgesehen sind.

„Verteilt“ bedeutet, dass eine öffentliche Blockchain nicht der Kontrolle eines Teilnehmers oder einer Organisation unterliegt. Stattdessen verwaltet und sichert das Netzwerk (also die Gesamtheit aller Teilnehmer) die Daten, und jeder Teilnehmer speichert grundsätzlich eine vollständige Kopie aller Daten.

Mit „Kontobuch“ ist gemeint, dass sich eine Blockchain, wie bei Bitcoin, nicht nur zur Verwaltung und Fortschreibung von Rechnungseinheiten verwenden lässt, sondern dass die gleiche grundlegende Methode auch für nahezu alle anderen Arten von digitalen Aufzeichnungen eingesetzt werden kann.

Für den Beispielsfall würde dies also bedeuten, dass immer nachgewiesen werden kann, an welcher Stromquelle welcher E-Auto-Fahrer Strom für sein Auto entnommen hat. Diese Daten können, wenn sie einmal in die Blockchain eingegeben worden sind, nicht mehr nachträglich verändert werden. Die Möglichkeit des Betrugs wird daher fast vollständig ausgeschlossen. Die Blockchain bietet darüber hinaus die Möglichkeit diese Anwendung zu „anonymisieren“. Nur die Blockchain selbst weiß dann, welcher Stromadapter, welchem Konto zugehörig ist und andersherum.

Bei einer Blockchain werden wie bereits ausgeführt, Datenblöcke unter Anwendung eines speziellen Verfahrens miteinander verkettet. Technisch wird die Verkettung dadurch erreicht, dass jeder Datenblock den sogenannten „Hash-Wert“ seines Vorgängerdatenblocks enthalten muss.

Der „Hash-Wert“ ist einfach erklärt eine Art Code, die den Vorgängerdatenblock darstellt. So entsteht eine kryptographisch abgesicherte Kette von Datenblöcken, die nachvollziehbar und transparent ist.

Es kann daher mit relativ geringen Mitteln überprüft werden, ob die Kette aller Datenblöcke bezüglich der enthaltenen Hash-Werte korrekt ist. Wenn ein Hash-Wert in einem Block nicht identisch ist mit dem Hash-Wert, der sich aufgrund der Daten des Vorgängerblocks ergeben müsste, liegt ein Fehler vor. Durch diesen Fehler kann nachträgliche Manipulation sofort entdeckt werden.

Der Einsatz einer Blockchain ist daher immer dann angeraten, wenn fortlaufend anfallende Daten manipulationssicher aufbewahrt werden müssen.

So könnten beispielsweise Daten der Krankenversicherungen oder Daten aus dem Grundbuch auf der Blockchain manipulationssicher abgespeichert und leichter zugänglich gemacht werden.

2. Kryptowährungen und Token

Der Begriff Krypto ist aber eigentlich bekannt geworden mit der prominentesten Kryptowährung, dem sogenannten „Bitcoin“. Der Begriff selbst meint grundsätzlich die Darstellung auf der Blockchain.

Diese Darstellungen auf der Blockchain werden auch als sogenannte „Token“ (auch Container) bezeichnet. Im Ausgangspunkt lassen sich Token in vier verschiedene Typen einteilen, die wiederum im Einzelfall unterschiedliche rechtliche und steuerliche Folgen nach sich ziehen. Über die Einordnung unter einen bestimmten Tokentypus hinaus sind auch hybride Token denkbar, die zwei oder mehrere der unten aufgeführten Kriterien in sich vereinen.

Ein Utility Token hat eine bestimmte Funktionalität(„utility“) innerhalb eines Blockchainbasierten Netzwerkes oder einer Plattform.

Ein Utility Token kann als eine Art Tausch- oder Betriebsmittel betrachtet werden, welche bestimmten Funktionalitäten, Abstimmungsrechte oder Zugänge gewährleistet.

An dieser Stelle ist wichtig zu wissen, dass ein Token zwangsläufig auch immer eine eigene Community bildet. Die Utility Token werden dann innerhalb einer geschlossenen Community ausgegeben, beispielsweise in der Form von Crowdsales. Die Plattformbetreiber finanzieren durch den Token-Sale den Aufbau der Plattform sowie die Entwicklung und Produktion von zukünftig herauszugebenden Waren oder Dienstleistungen. Der Besitz des Utility Token gewährt den Community-Teilnehmern anschließend die Nutzung bzw. Teilnahme der innerhalb der Community geschaffenen Werte. Das können Produkte, Dienstleistungen oder Ähnliches sein.

Ein Equity Token (auch Security Token genannt) weist wertpapier- bzw. eigenkapital-ähnliche Züge, vergleichbar einer Aktie oder einer Unternehmensbeteiligung auf. Der Equity Token ist somit ein Vehikel zur Investition in das Unternehmen selbst, oft mit Gewinnbeteiligung und Mitsprache- und Beteiligungsrechten innerhalb des Unternehmens.

Unter einem Token von Typus „Digitale Währung“ (auch„Kryptowährung“ oder „virtuelle Währung“) also einem Payment Token versteht man ein rein digitales Wertaufbewahrungsmittel. Er ist eine digitale Abbildung von Wert, der nicht von einer Zentralbank oder Behörde geschaffen wird und auch keine Verbindung zu gesetzlichen Zahlungsmitteln haben muss. Ein solcher Token wie auch der „Bitcoin“ hat dabei keinen reellen Gegenwert beispielsweise in Geld, sondern stellt eine neue Währungsform dar.

Ein Asset-backed Token ist an ein Anlagegut oder an einen Aktivposten geknüpft und verkörpert einen „Anspruch“ auf das jeweilige Asset (z. B. Gold, andere Rohstoffe oder Immobilien). Er kann Anlagegüter auch auf Mikroebene für Investoren zugänglich machen (z. B. 0,01 Windräder).

3. Smart Contract

Als letztes soll kurz beschrieben werden, was der Begriff Smart Contract (auch „schlauer Vertrag“), der auch in unserer anwaltlichen Praxis in der Zukunft eine wichtige Rolle spielen kann, in Zusammenhang mit der Blockchain bedeuten soll.

Die genaue Bedeutung des Begriffs „Smart Contract“ ist umstritten. Er geht auf den US-amerikanischen Informatiker und Juristen Nick Szabo zurück, der diesen Begriff wohl erstmals im Jahr 1994 verwendet hat.

Die Grundidee von Smart Contracts besteht – unabhängig von der ihnen zugrunde liegenden Technologie – darin, Verträge abzubilden, zu validieren und deren Einhaltung zu unterstützen. Dabei wird der Vertrag nicht mehr händisch auf Papier unterschrieben, sondern mithilfe technischer Unterstützung als Programmcode hinterlegt. Die Zielsetzung ist dabei, dass Verträge mehr Sicherheit im Hinblick auf ihre Abwicklung erhalten und gleichzeitig die Transaktionskosten reduziert werden.

Im Zusammenspiel mit der Blockchain-Technologie ermöglichen Smart Contracts neue, ungeahnte Möglichkeiten in Hinblick auf den Abschluss und die Durchführung von Verträgen.

Diese können so nämlich sicher, dezentral und unveränderbar abgebildet werden. Zudem führen sie eine Aktion erst aus, wenn die notwendige Bedingung erfüllt ist. So wird beispielsweise das Eigentum erst zum Besteller transferiert, wenn dieser den notwendigen Nachweis über seine Identität erbracht hat. Durch die Smart Contracts werden alle Transaktionen nachvollziehbar, transparent und unveränderlich auf der Blockchain festgehalten, sodass für alle nachvollziehbar ist, welche Transaktionen durch welchen Vertragspartner oder welches Ereignis ausgelöst wurde.

4. Fazit

Die Blockchain-Technologie ist zusammenfassend eine Möglichkeit die immer digitaler werdende Welt trotzdem sicher und transparent zu halten. Sie ist auch grundsätzlich nicht so schwer zu verstehen, wie es manchmal den Anschein hat. Mit der neuen Terminologie wird oft nur beschrieben, wie bereits bestehende Prozesse in digitaler Form abgebildet werden.

Gerne werden wir auch in diesem Bereich rechtsberatend für Sie tätig oder bieten In-House-Seminare oder Webinare zu diesem Themenkomplex für Sie an.

Lesen Sie dazu auch unseren Artikel zu der Digitalisierung realer Vermögenswerte auf der Blockchain.

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Christian FaberChristian Faber

Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht,
Rechtsanwalt, Partner,
Zertifizierter ESG-Officer

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